Interkulturelle Moderation 1. Gemeinschaftsschule Neukölln
Das Modell "Interkulturelle Moderation" wurde Anfang 2006 im Reuterkiez in Neukölln-Nordost entwickelt, einer Region, die durch eine besondere Vielfalt im Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Herkunft geprägt ist. Initiatoren des Projekts waren das Quartiersmanagement Reuterplatz und die Jugendhilfeträger Jugendwohnen im Kiez und LebensWelt.
Derzeit sind an der 1. Gemeinschaftsschule Neukölln drei „Interkulturelle Moderatoren“ tätig. Die beiden Jugendhilfeträger setzen an diesen Schulen - mit einem Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund von mehr als 80 Prozent - muttersprachlich türkische, arabische und serbokroatische Fachkräfte ein, die aufgrund ihrer eigenen interkulturellen Kompetenzen Brücken zwischen Schülern, Lehrern und Eltern bauen.
Durch ihre Präsenz an den Schulen und durch sensibles Einmischen werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar gemacht, bei Konflikten vermittelt und neue Lösungsstrategien initiiert. Ziel ist es, den Abbau von Vorurteilen und das Verständnis gegenüber unterschiedlichen Perspektiven zu fördern und damit zu einem positiven Schul- und Lernklima beizutragen.
Eine besondere Rolle in der Arbeit der „Interkulturellen Moderatoren“ spielt die Elternaktivierung. Regelmäßige gemeinsame Hausbesuche zusammen mit Lehrern tragen dazu bei, dass auch Eltern erreicht werden, die von sich aus keinen Kontakt zur Schule aufnehmen. In der häuslichen Atmosphäre und im Gespräch in der eigenen Herkunftssprache öffnen sich Familien schneller und bringen der Schule mehr Vertrauen entgegen. Die Lehrer sind oft beeindruckt von der Gastfreundlichkeit und der Herzlichkeit der Eltern und betonen die Notwendigkeit dieser Form des Zusammentreffens und der Vermittlung kulturspezifischer Verhaltensmuster. Eltern andererseits informieren sich häufiger über das Verhalten und die Leistungen ihrer Kinder. Sie erkennen, dass sich die Schule für ihre Belange interessiert und einsetzt und nehmen verstärkt an Elternabenden teil.
Darüberhinaus sind die „Interkulturellen Moderatoren“ Informationsvermittler zwischen Schule und Stadtteil. Sie tragen zur Öffnung der Schule bei und fördern die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern wie Beratungsstellen, Migrantenorganisationen oder Arbeitsagenturen.
Die Arbeit der Interkulturellen Moderatoren öffnet neue Perspektiven in den Stadtteil. Schulen stellen z.B. ihre räumlichen Ressourcen den Anwohnern für spezifische Beratungsangebote oder kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung. Eltern beteiligen sich unter Vermittlung der interkulturellen Fachkräfte an bezirklichen Gremien oder gründen sogar eigene Initiativen.
Die "Interkulturelle Moderation" wird durch die Fachhochschule Potsdam wissenschaftlich begleitet und evaluiert.
Bis Ende 2007 wurde das Projekt „Interkulturelle Moderation“ im Rahmen des Programmes „Soziale Stadt“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gefördert. Seit Januar 2008 hat die Senatsverwaltung für Bildung, gestützt durch ESF-Mittel, die Zuständigkeit übernommen.
Besser Leben - Zwei Projekte "resozialisieren" Berlin-Neukölln
Bericht des Kulturmagazins "Kulturzeit" auf 3sat am 19.1.2009 u. a. über die Interkulturelle Moderation an Schulen in Neukölln-Nordost.
Bericht: Zwei Jahre „Interkulturelle Moderation“, Fachgespräch am 03.07.2008
Unter großer Beteiligung der Fachöffentlichkeit fand am 3. Juli 2008 in der Aula der Franz-Schubert-Schule ein Fachgespräch zur „Interkulturellen Moderation“ statt. Ziel der Veranstaltung war eine Bilanz der letzten zwei Jahre im Hinblick auf die Fortführung des Programms ab 2009.


